Ilúvatars Gabe
Aus Elendil Lexikon
Die Sterblichkeit ist bekanntlich Ilúvatars Gabe an die Menschheit, die Freiheit, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, worum sie später sogar von den Elben und Ainur beneidet werden. Daher beschloss er, ihnen die Fähigkeit zu verleihen, innerhalb der Grenzen der Kräfte, Stoffe und Möglichkeiten der Welt ihr Leben frei zu gestalten und zu bestimmen, und sei es gar jenseits der Musik der Ainur, die dem Schicksal aller anderen Lebewesen zugrunde liegt.
Während die "unsterblichen" Elben mit der Erde leben und sterben und an ihr Schicksal gebunden sind, sind die Menschen frei, und nachdem ihre Zeit vorbei ist, sterben sie und verlassen die Welt zu einem unbekannten weiteren Schicksal.
Aus diesem Grund werden auch die Quendi nach dem Ende der Welt vollkommen verschwinden, während die Menschen an der Zweiten Musik der Ainur teilnehmen und vermutlich ein neues Arda schaffen , wogegen die Eldar bis zum Großen Ende dort leben. Während jedoch die Söhne der Menschen nach dem Hinschwinden der Dinge gewisslich in die Zweite Musik der Ainur aufgenommen werden, hat Ilúvatar nicht enthüllt, was er den Eldar nach dem Ende der Welt für ein Schicksal bestimmt hat.
Dieses Geschenk wurde allerdings eher missbraucht als mit Freunden angenommen, was Ilúvatar aber geduldig akzeptierte, auch wenn ihm die entfremdete Lebensweise der Sterblichen nach Ansicht der Elben oft Kummer bereitet. Auch Melkor nutzte den Tod für sich und brachte ihn mit der Dunkelheit in Verbindung.
Unter den Menschen selbst haben sich zwei unterschiedliche Theorien über die Herkunft dieser Sterblichkeit gebildet - einerseits die weit verbreitete Ansicht, Sterblichkeit sei ihnen von Melkor gegeben worden, er hätte seine Bösartigkeit ungerechterweise an ihnen ausgelassen und sie könnten eigentlich nichts dafür; der Quell sei einfach das Böse. Diese Idee erfreute sich natürlich einiger Beliebtheit, denn sie stellt eindeutig klar, dass der Tod die Schuld Melkors ist und die Menschheit das unschuldige Opfer.
Außerdem lässt sich damit besser das Verlangen nach Unsterblichkeit untermauern, die Menschen sehen sich als benachteiligt gegenüber den Eldar, was Raum für Aktionen wie Pharazôns Heer gegen Valinor gibt, da die Valar nach dieser Vorstellung in der Lage sind, ewiges Leben oder Tod zu geben.
Auch Melkor selbst unterstützte diese Theorie natürlich, da sie ihm eine Menge Macht und Ehrfurcht von Seiten der Sterblichen einbrachte.
Die andere Vorstellung ist die, dass die Sterblichkeit eine Strafe Ilúvatars ist, dafür, dass die Menschen zu Beginn ihrer Zeit auf Melkor, der ihnen Wissen und Macht versprach, hörten, anstatt auf Ilúvatars Stimme, der sie dazu anregen wollte, selbst zu denken und erst zu lernen, bevor sie herrschen wollen. Auch hier ist der Tod etwas Negatives, eben besagte Strafe, und vor allem unnatürlich und nicht vorgesehen. Diese Untergebenheit an Melkor und die Akzeptanz von ihm als Lehrer und Herr wird von den Menschen selbst als "Fall" oder "Disaster" bezeichnet, und sie wagen kaum, darüber zu sprechen.
Auch sind die Erinnerungen unter ihnen an diesen "Fall der Menschen" ziemlich diffus und unklar; daher verliert diese Vorstellung etwas an Überzeugung.
Tolkien selbst hingegen schreibt, dass der Tod nie als Strafe gedacht war, sondern eben ein Geschenk, Freiheit, die die Elben nie hatten.
Auch die Elben sehen nicht ganz ein, warum die Menschen sich nicht freuen über den Tod, sondern ihn stattdessen fürchten und hassen. Sie neigen sogar dazu, eher sich selbst benachteilt zu sehen - ein Hang zum Selbstmitleid ist offenbar ein Grundzug jedes Lebewesens.
