Gral

Aus Elendil Lexikon

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Der Gral ist nach dem Glauben des Mittelalters die Schüssel oder der Kelch, aus dem Christus bei dem letzten Abendmahl mit seinen Jüngern aß, und in welcher nachher Joseph von Arimathia das Blut des gekreuzigten Heilandes auffing.

Sie war aus einem einzigen Smaragd geschliffen und mit wunderbaren Kräften ausgestattet. Am Karfreitag kamen Engel hernieder und hoben den heiligen Gral empor, ihn in der Luft schwebend erhaltend, bis Engel eine von Gott selbst geweihte Hostie hineinlegten.

Nach der Legende brachte Joseph von Arimathia den heiligen Gral nach Britannien. Auf dem unzugänglichen Montsalvage (Mons silvaticus = Mont sauvage) stiftete Titurel einen prachtvollen Tempel, in welchem der Gral unter der Obhut der Templeisen, einer Genossenschaft auserwählter Menschen, aufbewahrt wurde; nur göttliche Fügung leitete dahin, dann aber auch stets zum ewigen Heil des Finders.

Die Sage vom heiligen Gral scheint sich aus orientalischen und christlichen Elementen im Anfang des 12. Jahrhunderts in Spanien und dem südlichen Frankreich gebildet zu haben. Auf französischem Boden wurde die Sage mit der Parzivalsage verbunden und an das Haus Anjou angelehnt, aus welchem die Gralkönige stammen sollten. Hierher gehört eine unvollendete Dichtung des Chrestien von Troyes: "Le conte dul G." (vor 1190).

Kurz vor oder kurz nach diesem behandelte den gleichen Stoff der Provençale Kiot, den wir übrigens nur aus einer Erwähnung Wolframs kennen. Die Legende von Joseph von Arimathia wurde in dem französischen gereimten "Roman du Saint G." behandelt, der im 15. Jahrh. in Prosa aufgelöst wurde (hrsg. von Hucher, Par. 1875-78, 3 Bde., und von Weidner, Oppeln 1881).

Auch ein altenglisches Gedicht: "The Holy Grail", gibt es, das auf dem französischen Roman beruht; als Verfasser ist Lonelich (um 1450) angegeben. In die deutsche Poesie brachte die Gralsage Wolfram von Eschenbach im Parzival und den Bruchstücken von Titurel; in weiterer Ausführung behandelte sie der Dichter des jüngern Titurel, der noch die Beziehung auf den Priesterkönig Johann hinzubrachte.

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