Artus

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Hintergrund

Die Artus-Sage gehört zu den wohl ältesten europäischen Legenden überhaupt und wurde in zahllosen historischen Erzählungen, Romanen und Filmen immer wieder thematisiert und ausgebaut. Selbst Lara Croft macht sich in einem ihrer Abenteuer auf die Suche nach dem legendären Schwert Excalibur.

Auch wenn viele heute die Geschichte um König Artus und seiner Tafelrunde ins Reich der Legenden und Mythen verbannen, so gibt es dennoch zweifelsfrei bewiesen einen historischen Kern dieser Sage. Artus war vielleicht nicht der hohe König der Engländer, aber er war auf jeden Fall ein angesehener und erfolgreicher Feldherr keltischen Ursprungs der jahrelang gegen die Sachsen gekämpft hatte. Es ist höchst wahrscheinlich, dass es sich bei ihm um einen britischen Offizier in römischen Diensten handelte, der nach dem Abzug des Imperiums als Kriegsfürst eine zentrale Rolle einnahm und 500 nach Christus eine Invasion der Angelsachsen abwehrte. Er fiel 537 in der Schlacht von Camlan.

Das Gedicht oder Lied „Y Gododdin“ von Aneirin (535-600) enthält den ältesten Hinweis auf den historischen Artus und beschreibt den Kampf der Briten gegen die einfallenden Sachsen. In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts wird Artus durch den Mönch Nennius in der „Historia Britonum“ als großer Kriegsheld (er allein soll über 900 Gegner in einer Schlacht erschlagen haben) gefeiert, noch fehlen aber noch große Teile der uns bekannten Mythologie.

Zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert entstand das walisische Prosawerk Mabinogion, welches zu großen Teilen auf mündlichen Überlieferungen basierte. Die meisten der insgesamt 11 Erzählungen aus dem Mabinogion handeln von der Geschichte Arturs. In diesem Werk werden zum ersten Mal die Tafelrunde, aber auch Artus Frau Guinivere erwähnt.

Populär wurde der Stoff jedoch erst wieder im 12. Jahrhundert, zu einer Zeit in der die Normannen sich aufmachten die Sachsen von der englischen Insel zu vertreiben. Zahlreiche Bretonen unterstützten den Kampf der Normannen gegen die Sachsen und ein historisch begründetes Nationalbewusstsein entstand.

Die erfolgreiche Eroberung durch die Normannen vom europäischen Festland aus führte schließlich dazu, dass sich die englische Insel deutlich vom skandinavischen Herrschaftsbereich entfernte und wieder mehr in den mitteleuropäischen Kulturraum gedrängt wurde.

Geoffrey von Monmouth (1100 - 1154 griff die Geschichte von Artur, dem Retter Britanniens, in seinem Werk „Historia regum Britanniae” wieder auf und traf damit den aktuellen Zeitgeist genau. Seine Geschichte verbreitete sich in ganz Europa und wurde von vielen anderen Autoren aufgegriffen. Besonders die mittelalterlichen Minnesänger bedienten sich des Stoffes und zahlreiche, vor allem romantische Versionen der Legende, wurden in ganz Europa verteilt. Artus wurde darauf hin vom eigentlich unbedeutenden Regionalfürsten zu einem übermenschlichen Vorbild hochstilisiert.

Einer der bedeutendsten Erzähler ist der nordfranzösische Chrétien de Troyes (1140-1190). Seine Version, vor allem die Erzählung des Parzival, gehört zu den wichtigsten Werken des Mittelalters überhaupt, dennoch ist nicht völlig geklärt auf welche Quellen er sich stützte.

Während des 13. und 14. Jahrhunderts wurden die früheren Nebenfiguren immer mehr in den Mittelpunkt eigener Erzählungen gerückt. Bestes Beispiel dafür ist die Erzählung „Sir Gawain and the Green Knight“ (um 1370) eines unbekannten Verfassers, aber besonders Parzival war ein beliebtes Thema aus dem Sagenumfeld von König Artus.

Besonders hervorzuheben, da für unser modernes Artur-Verständnis mitverantwortlich, sind die Werke von Sir Thomas Malory (1408-1471). In 21 Werken, hauptsächlich gestützt auf ältere englische und französische Texte, erzählt er in seinem Prosawerk „Le Morte d'Arthur“ die Geschichte des großen Königs, nicht ohne die vielen Episoden mit eigenen Erzählungen zu ergänzen.

Der bekannte Autor Mark Twain brachte frischen Wind in die Artus-Legende, mit dem 1880 erschienenen Roman „A Connecticut Yankee at King Arthur’s Court“, und versetzte seinen amerikanischen Helden per Zeitsprung an den Hof von König Artus.

In den 50er Jahren gab es zahlreiche Hollywood- Verfilmungen zu dem Thema mit bekannten Schauspielern wie Robert Taylor, Ava Gardner oder Elizabeth Taylor. 1963 gipfelten die zuckersüßen Verfilmungen in der beliebten Walt Disney - Version Die Hexe und der Zauberer. 1998 folgte mit Das magische Schwert - Die Legende von Camelot übrigens eine weitere Zeichentrickversion, welche aber nie den Erfolg von Disney erreichte.

Durch den Film Excalibur (1981) von John Boorman und die Erzählungen von Marion Zimmer Bradley (1920 - 1999) wurde das Thema wieder einem größeren Publikum bekannt. Der Film unterschied sich deutlich von seinen Vorgängern aus den 50er Jahren, denn die bunten Ritter und grünen Wiesen wichen einer dunklen und bedrohlichen Atmosphäre. Bradleys Roman Die Nebel von Avalon wurde 1982 ein weltweiter Erfolg. Mit diesem Roman wurde aber auch der Artus-Stoff vom klassischen Mythos ein wenig in Richtung Fantasy gedrängt.

Jean-Louis Fetjaine vermischt 2001 die Geschichte um Artus in seinem Roman Vor der Elfendämmerung sogar mit Zwergen und Elfen, was der Attraktivität der Geschichte jedoch keinen Abbruch bringt, sondern Artus noch einem größeren Publikum öffnete.

Neben der historischen Figur Arturs sind auch die vermeintlichen Schauplätze der Legende immer wieder in das Interesse von Forschern und Historikern gelangt. Avalon scheint tatsächlich mit dem englischen Glastonbury identisch zu sein. Im 4. Jahrhundert befand sich dort ein wichtiges keltisches Kloster. Besonders eng ist Glastonbury durch die Gralslegende mit Artus verknüpft, denn Joseph von Arimathea soll bereits im ersten Jahrhundert eine christliche Kirche errichtet haben. Außerdem hatte er den sagenumwobenen Gral in seinem Gepäck, den er in der Erde versteckte und woraus eine Quelle, die heute noch existierende Blutquelle, entstanden ist.

Tatsächlich ist es heute bewiesen, dass die Region um Glastonbury zu Arturs Lebzeiten eine Seen, bzw. Sumpfregion, war und erst durch die Mönche des späteren Mittelalters trocken gelegt wurde.

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